Die Initiative

Bild12015 und 2016 kamen insgesamt etwa 400.000 Kinder und Jugendliche nach Deutschland, um hier Schutz vor Krieg und Gewalt oder eine bessere Zukunft zu suchen. Trotz der gro├čen Anstrengungen auf allen Ebenen und stark r├╝ckl├Ąufiger Zuzugszahlen werden die Bed├╝rfnisse und Rechte dieser Kinder vielerorts noch nicht im vollen Umfang beachtet.

Vor allem M├Ądchen und Jungen, die sich mit ihren Familien in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften aufhalten, sind in einer schwierigen Situation: Oftmals leben sie ├╝ber viele Monate oder sogar Jahre in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften, die in vielen F├Ąllen nicht sicher und nicht kindgerecht sind. Das Zusammenleben mit vielen fremden Menschen auf engem Raum, mangelnde Privatsph├Ąre und fehlende R├╝ckzugsorte, zum Teil problematische hygienische Bedingungen und fehlende Schutzkonzepte haben Auswirkungen auf die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder.

Um den Schutz sowie die Versorgung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Frauen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften zu gew├Ąhrleisten sowie den Zugang zu Bildungsangeboten und psychosozialer Unterst├╝tzung zu verbessern, haben das Bundesfamilienministerium und UNICEF im Fr├╝hjahr 2016 eine gemeinsame Initiative gestartet. Da auch Menschen mit Behinderungen sowie homo-, bi-, trans- und intersexuellen Menschen (LSBTI*) in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften nicht ausreichend vor Gewalt und Missbrauch gesch├╝tzt sind und ihre uneingeschr├Ąnkte Teilhabe und bedarfsgerechte Versorgung noch nicht fl├Ąchendeckend gew├Ąhrleistet wird, wurde die Initiative in diesem Jahr auf diese und andere besonders schutzbed├╝rftige Personengruppen ausgeweitet. Die ÔÇ×Initiative zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nftenÔÇť wird in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsverb├Ąnden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. und weiteren Partnern umgesetzt. UNICEF bringt dabei seine langj├Ąhrige Erfahrung bei der internationalen Unterst├╝tzung f├╝r Kinder und Frauen in Konflikten und auf der Flucht ein.


Ma├čnahmen der Initiative

Die Situation von Fl├╝chtlingskindern unterscheidet sich von Land zu Land, von Kommune zu Kommune, von Einrichtung zu Einrichtung. Folgende Ma├čnahmen haben das Ziel, die Qualit├Ąt der Betreuung und Versorgung der Fl├╝chtlingskinder insgesamt weiterzuentwickeln:


  • Schutz von gefl├╝chteten Menschen ├╝berall verbindlich machen: Die Partner der Initiative haben erstmals bundesweit einheitliche ÔÇ×Mindeststandards zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nftenÔÇť entwickelt. Die Mindestschutzstandards sollen als Leitlinien f├╝r die Erstellung und Umsetzung von einrichtungsinternen Schutzkonzepten dienen. Sie umfassen insbesondere die Bereiche Personal, strukturelle und bauliche Voraussetzungen, Pr├Ąvention von und Umgang mit Gewalt- und Gef├Ąhrdungssituationen, die F├Ârderung des Wohlbefindens und der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie das Monitoring der erzielten Fortschritte. Im Rahmen der Initiative konnte erreicht werden, dass Kommunen f├╝r die Umsetzung baulicher Schutzma├čnahmen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften verg├╝nstigte Investitionskredite bei der Kreditanstalt f├╝r Wiederaufbau (KfW) in Anspruch nehmen k├Ânnen.

  • Kinderfreundliche Orte f├Ârdern: Kinderfreundliche Orte sind ein wichtiger Bestandteil der Mindestschutzstandards. In allen Fl├╝chtlingseinrichtungen m├╝ssen Kinder einen sicheren und gesch├╝tzten R├╝ckzugsort haben, an dem sie Schutz und Halt erfahren und eine gewisse Normalit├Ąt wiederhergestellt wird. Kinder sollen unbeschwert spielen und lernen k├Ânnen, gut betreut und gef├Ârdert werden. Dies steigert das psychosoziale Wohlbefinden sowie die innere Widerstandsf├Ąhigkeit und hilft Kindern, die pr├Ągenden Erlebnisse der Flucht besser zu verarbeiten.

  • Situation der gefl├╝chteten Kinder systematisch beobachten und die Datenlage verbessern: Bis heute fehlen in vielen Bereichen verl├Ąssliche Daten und Informationen zur Situation der Kinder und Jugendlichen unter den Fl├╝chtlingen in Deutschland. Erfahrungen in Fl├╝chtlingsprogrammen weltweit zeigen, dass dies Voraussetzung daf├╝r ist, wirksam und gezielt zu helfen, gef├Ąhrdete Kinder fr├╝hzeitig identifizieren zu k├Ânnen und alle Beteiligten st├Ąrker in die Verantwortung zu nehmen. UNICEF arbeitet gemeinsam mit der Bundesregierung, staatlichen Institutionen und anderen Partnern daran, bestehende Monitoring- und Informationssysteme zu st├Ąrken, damit kindzentrierte Daten und Informationen zusammengef├╝hrt werden und als Grundlage f├╝r politische Entscheidungen, die Kinder betreffen, dienen k├Ânnen.


F├╝r die Verbesserung der Betreuung und Versorgung von besonders schutzbed├╝rftigen Personen wurden bundesweit 100 Konsultationseinrichtungen ausgew├Ąhlt. In jeder dieser Einrichtungen hat das Bundesfamilienministerium Koordinatorenstellen f├╝r Gewaltschutz geschaffen. In enger Abstimmung mit der Leitung und mithilfe eines zu diesem Zweck von UNICEF entwickelten Leitfadens erarbeiten die Koordinatoren auf die Einrichtungen zugeschnittene Schutzkonzepte und sorgen f├╝r die Umsetzung. F├╝r das Personal dieser Konsultationseinrichtungen bietet UNICEF ein umfassendes Schulungsprogramm an. UNICEF unterst├╝tzt zudem die Unterk├╝nfte bei der Einrichtung von kinderfreundlichen Orten und der Entwicklung entsprechender Angebote sowie bei der Datenerfassung, dem Monitoring und der Analyse der erzielten Fortschritte.


Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Mindeststandards k├Ânne Sie hier herunterladen:
Mindeststandards zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften

Bildnachweis: UNICEF/DT2016-45794/Ashley Gilbertson / VII Photo