Die Initiative

Der Anteil von Frauen und Kindern unter den Menschen, die in den letzten zwei Jahren nach Deutschland gefl├╝chtet sind, ist gro├č. Nach Sch├Ątzung von UNICEF sind ein Drittel aller Fl├╝chtlinge Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Ihnen muss nach deutschem Recht und im Rahmen der Kinderrechts­konvention Schutz gew├Ąhrt werden.

Kommunen, Hilfs­organisationen und unz├Ąhlige Freiwillige leisten gro├čartige Arbeit und stellen eine Not­versorgung sicher. Die besonderen Bed├╝rfnisse und Rechte von Kindern werden aber angesichts der vielen Heraus­forderungen nicht ├╝berall beachtet. Vor allem M├Ądchen und Jungen, die sich mit ihren Familien in Erst­aufnahme­einrichtungen und Gemeinschafts­unterk├╝nften aufhalten, sind in einer schwierigen Situation: Sie leben in einer eigentlich nicht f├╝r Kinder geeigneten Umgebung ÔÇô und das oft f├╝r viele Monate. Dort sind sie zum Beispiel h├Ąufig nicht ausreichend vor Gewalt und Missbrauch gesch├╝tzt und haben kaum Zugang zu Bildungs- und Freizeit­angeboten.

Gemeinsam mit dem Bundes­familienministerium hat UNICEF im Fr├╝hjahr 2016 deshalb eine ÔÇ×Initiative zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlings­unterk├╝nftenÔÇť gestartet. Ziel ist es, den Schutz sowie die Versorgung und Betreuung der dort lebenden Menschen zu verbessern, um so zu ihrer Stabilisierung und raschen Integration beizutragen. Die Initiative wird in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsverb├Ąnden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. und weiteren Partnern umgesetzt. UNICEF bringt dabei seine langj├Ąhrige Erfahrung bei der internationalen Hilfe f├╝r Kinder und Frauen in Konflikten und auf der Flucht ein.


Ma├čnahmen der Initiative

Die Situation von Fl├╝chtlingskindern unterscheidet sich von Land zu Land, von Kommune zu Kommune, von Einrichtung zu Einrichtung. Folgende Ma├čnahmen haben das Ziel, die Qualit├Ąt der Betreuung und Versorgung der Fl├╝chtlingskinder insgesamt weiterzuentwickeln:

ÔÇó Schutz von gefl├╝chteten Menschen ├╝berall verbindlich machen: Die Partner der Initiative haben Mindeststandards zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften entwickelt. Die Mindeststandards sollen als Leitlinien f├╝r die Erstellung und Umsetzung von einrichtungsinternen Schutzkonzepten dienen. Bei der notwendigen Schaffung gesetzlicher Grundlagen k├Ânnen die Mindeststandards eine wichtige Orientierung sein. Sie umfassen insbesondere die Bereiche Personal, strukturelle und bauliche Voraussetzungen, das Risikomanagement bei Gewalt- und Gef├Ąhrdungssituationen sowie das Monitoring der erzielten Fortschritte. Im Rahmen der Initiative konnte erreicht werden, dass die Kreditanstalt f├╝r Wiederaufbau (KfW) Kommunen bei der Finanzierung von baulichen Schutzma├čnahmen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nften unterst├╝tzt. St├Ądten und Gemeinden stehen zinslose Darlehen f├╝r Investitionen in den Neu- und Umbau sowie f├╝r den Erwerb von Fl├╝chtlingsunterk├╝nften zur ausschlie├člichen Nutzung durch Frauen
und Kinder zur Verf├╝gung.

ÔÇó Kinderfreundliche Orte f├Ârdern: Kinderfreundliche Orte sind ein wichtiger Bestandteil der Mindestschutzstandards. In allen Fl├╝chtlingseinrichtungen m├╝ssen Kinder einen sicheren und gesch├╝tzten R├╝ckzugsort haben, an dem sie Schutz und Halt erfahren und eine gewisse Normalit├Ąt wiederhergestellt wird. Kinder sollen unbeschwert spielen und lernen k├Ânnen, gut betreut und gef├Ârdert werden. Dies steigert das psychosoziale Wohlbefinden sowie die innere Widerstandsf├Ąhigkeit und hilft Kindern, die pr├Ągenden Erlebnisse der Flucht besser zu verarbeiten.

ÔÇó Lage der Kinder systematisch beobachten und die Datenlage zu gefl├╝chteten Kindern verbessern: Bis heute fehlen in vielen Bereichen verl├Ąssliche Daten und Informationen zur Situation der Kinder und Jugendlichen unter den Fl├╝chtlingen in Deutschland. Erfahrungen in Fl├╝chtlingsprogrammen weltweit zeigen, dass dies Voraussetzung daf├╝r ist, wirksam und gezielt zu helfen, gef├Ąhrdete Kinder fr├╝hzeitig identifizieren zu k├Ânnen und alle Beteiligten st├Ąrker in die Verantwortung zu nehmen. UNICEF arbeitet gemeinsam mit der Bundesregierung, staatlichen Institutionen und anderen Partnern daran, bestehende Monitoring- und Informationssysteme zu st├Ąrken, damit kindzentrierte Daten und Informationen zusammengef├╝hrt werden und als Grundlage f├╝r politische Entscheidungen, die Kinder betreffen, dienen k├Ânnen.

F├╝r die Verbesserung der Betreuung und Versorgung von besonders schutzbed├╝rftigen Personen wurden bundesweit 25 Konsultationseinrichtungen in Tr├Ągerschaft der Wohlfahrtsverb├Ąnde ausgew├Ąhlt. In jeder dieser Einrichtungen wurden Koordinatorenstellen f├╝r Gewaltschutz geschaffen. In enger Abstimmung mit der Leitung und mithilfe eines zu diesem Zweck von UNICEF entwickelten Leitfadens erarbeiten die Koordinatoren auf die Einrichtungen zugeschnittene Schutzkonzepte und sorgen f├╝r die Umsetzung. F├╝r das Personal der Konsultationseinrichtungen bietet UNICEF ein umfangreiches Lehrmaterial sowie Schulungen zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen sowie zur Einrichtung von kinderfreundlichen Orten einschlie├člich der entsprechenden Betreuung an. UNICEF unterst├╝tzt zudem die Einrichtungen bei der Datenerfassung sowie dem Monitoring und der Analyse der erzielten Fortschritte und stellt daf├╝r umfangreiche technische Hilfsmittel bereit. 2017 werden weitere 75 Koordinatorenstellen f├╝r Gewaltschutz vom Bundesfamilienministerium gef├Ârdert.


Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Mindeststandards k├Ânne Sie hier herunterladen.


Bildnachweis: UNICEF/DT2016-45794/Ashley Gilbertson / VII Photo