FAQ

1. Worum geht es bei der „Initiative zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“?

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und UNICEF haben im Frühjahr 2016 gemeinsam die „Initiative zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ gestartet. Das Ziel der Initiative ist es, den Schutz sowie die Versorgung und Betreuung der Frauen und Kinder zu verbessern, die in Not- und Gemeinschaftsunterkünften leben, und so zu ihrer Stabilisierung und raschen Integration beizutragen.

Im Rahmen der Initiative sollen in Flüchtlingsunterkünften der Kinderschutz verbessert, Risiken für Kinder und Frauen reduziert und kinderfreundliche Räume sowie Spiel- und Lernangebote geschaffen werden.
Für die Verbesserung der Unterbringungsqualität wurden im vergangenen Jahr bundesweit 25 Konsultationseinrichtungen in Trägerschaft der Wohlfahrtsverbände ausgewählt. In jeder dieser Einrichtungen wurden Koordinatorenstellen für Gewaltschutz geschaffen. Im Sommer 2016 hat UNICEF das Führungspersonal und die Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren der 25 Konsultationseinrichtungen geschult. In enger Abstimmung mit der Leitung erarbeiten die Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren auf die Einrichtungen zugeschnittene Schutzkonzepte und sorgen für die Umsetzung. Im Frühjahr 2017 folgen weitere 75 Konsultationseinrichtungen mit jeweils einer Koordinatorenstelle für Gewaltschutz.


2. Wer sind die Partner der Initiative?


• Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ),
• UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen),
• Arbeiterwohlfahrt (AWO),
• Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK),
• Der Paritätische Gesamtverband,
• Deutscher Caritasverband e.V.,
• Deutsches Institut für Menschenrechte,
• Deutsche Kinder- und Jugendstiftung,
• Deutsches Rotes Kreuz e.V.,
• Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband,
• Frauenhauskoordinierung e.V.,
• Plan International Deutschland e.V.,
• Save the Children Deutschland e.V.,
• Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention,
• Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)
  



3. Was konnte bislang erreicht werden?

Im Rahmen der Initiative konnten schon einige wichtige Ergebnisse erzielt werden:

• Unter dem Dach der Initiative haben das BMFSFJ und UNICEF gemeinsam mit einem breiten Netzwerk von Partnern „Mindeststandards zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in Flüchtlingsunterkünften“ erarbeitet. Bei der Entwicklung der Mindeststandards floss das nationale Erfahrungswissen aller beteiligten Organisationen und die internationale Expertise von UNICEF, Plan International Deutschland und Save the Children ein. Die Mindeststandards wurden im Sommer 2016 veröffentlicht und bilden erstmals eine bundesweit einheitliche Grundlage, um den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen vor Gewalt sowie den Zugang zu Bildungsangeboten und psychosozialer Unterstützung in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern.

• Um die Mindestschutzstandards bei Entscheidungsträgern auf der Kommunal- und Landesebene vorzustellen, haben das BMFSFJ, UNICEF und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) sieben Regionalkonferenzen organisiert. Die Abschlusskonferenz fand am 14. Dezember 2016 in Berlin statt. Die Resonanz der zahlreichen Konferenzteilnehmer zeigte, dass das Interesse an der Verbesserung der Unterbringungsqualität in Flüchtlingsunterkünften groß ist.

• Ein wichtiges Resultat der bisherigen Arbeit im Rahmen der Initiative ist die Festschreibung der Implementierung der vom BMFSFJ und UNICEF entwickelten Mindestschutzstandards in der im November 2016 verabschiedeten Koalitionsvereinbarung des Landes Berlin.

• UNICEF hat ein Ressourcenpaket entwickelt, um die Einrichtungsleitungen, Gewaltschutzkoordinatorinnen und –koordinatoren und andere Mitarbeitenden der Flüchtlingsunterkünfte bei der Implementierung der Mindestschutzstandards zu unterstützen. Es besteht zum einen aus einem Handbuch für Trainer, welches eine Einführung in die Schutzstandards und Informationen zu deren Umsetzung bietet (u.a. zu den Themen Menschenrechte, Vielfalt, Gewaltprävention, psychosoziale Unterstützung, kinderfreundliche Orte, frühkindliche Entwicklung, Elternarbeit etc.). Zum anderen wurde von UNICEF eine Toolbox entwickelt, die Leitfäden und Instrumente enthält, mit deren Hilfe die Koordinatorinnen und Koordinatoren in Abstimmung mit der Unterkunftsleitung einrichtungsspezifische Schutzkonzepte erarbeiten und umsetzen und die Fortschritte der Umsetzung evaluieren können.
  



4. Was sind die Mindeststandards zum Schutz von geflĂĽchteten Menschen in FlĂĽchtlingsunterkĂĽnften?

Die Partner der Initiative haben erstmals bundesweit einheitliche Mindeststandards zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in FlĂĽchtlingsunterkĂĽnften entwickelt. Bei ihrer Entwicklung floss das nationale Erfahrungswissen aller beteiligten Organisationen und die internationale Expertise von UNICEF, Plan International Deutschland und Save the Children ein.
Die Mindeststandards gelten als Leitlinien fĂĽr die Erstellung und Umsetzung von Schutzkonzepten in allen FlĂĽchtlingsunterkĂĽnften und erstrecken sich auf die folgenden sechs Bereiche:

• einrichtungsspezifisches Schutzkonzept,
• Personal und Personalmanagement,
• interne Strukturen und externe Kooperationen,
• Umgang mit Gewalt- und Gefährdungssituationen/Risikomanagement,
• menschenwürdige, schützende und fördernde Rahmenbedingungen (einschließlich kinderfreundlicher Räume) und
• Monitoring der erzielten Fortschritte.

Die Mindeststandards zum Schutz von geflĂĽchteten Menschen in FlĂĽchtlingsunterkĂĽnften sind hier abrufbar.
  



5. Was ist die Aufgabe der Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren?

Die Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren stellen die Umsetzung der Mindestschutzstandards in den Flüchtlingsunterkünften, in denen sie arbeiten, sicher und stehen als Ansprechpartner bereit. Aufgabenschwerpunkt der Koordinatorin/des Koordinators ist es, in enger Abstimmung mit der Unterkunftsleitung ein einrichtungsinternes Konzept zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in allen Bereichen innerhalb der Flüchtlingsunterkunft zu entwickeln sowie die Umsetzung und das Monitoring zu begleiten. Als Grundlage für die Entwicklung des Schutzkonzepts werden zunächst einrichtungsbezogene Daten und Informationen erfasst und ausgewertet. Die Datenerhebung erfolgt über eine einrichtungsinterne, partizipative Risikoanalyse, die geschlechts- und altersspezifische Risiken einbezieht. Zudem führt die Koordinatorin/der Koordinator zusammen mit den Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern eine umfassende Bestandsaufnahme der Bedarfe von Kindern, Jugendlichen und Frauen durch – auch zu kinderfreundlichen Räumen und Angeboten für Kinder.
Zudem trӓgt die Koordinatorin/der Koordinator zum regelmäßigen Monitoring der Umsetzung des Schutzkonzeptes bei, welches in das existierende Monitoringsystem der Einrichtung integriert werden muss. Im Rahmen des Monitorings ist zu erfassen und zu analysieren, wie weitreichend die Schutzmaßnahmen umgesetzt worden sind und welche praktischen Erkenntnisse bei der Umsetzung des Schutzkonzeptes gewonnen wurden.
Darüber hinaus ist die Koordinatorin/der Koordinator für die Beratung von weiteren Einrichtungen zustӓndig. Hier geht es vor allem um einen Wissenstransfer zur Konzeption und Umsetzung von Schutzkonzepten. Dazu gehören die Weitergabe von Konzepten an andere Einrichtungen in der Region sowie die Entwicklung von Handlungsempfehlungen. Die Koordinatorin/der Koordinator stellt darüber hinaus Kontakt mit anderen Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren her, um sich regelmӓβig auszutauschen.
UNICEF bietet den Koordinatorinnen und Koordinatoren Schulungen zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen sowie zur Einrichtung von kinderfreundlichen Orten einschlieĂźlich der entsprechenden Betreuung an. UNICEF unterstĂĽtzt zudem die Einrichtungen bei der Datenerfassung sowie dem Monitoring und der Analyse der erzielten Fortschritte und stellt dafĂĽr umfangreiche technische Hilfsmittel bereit.
FĂĽr weitere Informationen siehe Arbeitsplatzbeschreibung.
  



6. Was ist unter Monitoring und Evaluierung der Umsetzung des Schutzkonzepts zu verstehen?

Monitoring und Evaluierung sind Instrumente der Qualitätssicherung. Sie sind erforderlich, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen, die im Rahmen des Schutzkonzepts umgesetzt werden, auch greifen und Fortschritte erzielt werden, sodass die geflüchteten Menschen in den Unterkünften besser geschützt sind.

Monitoring bedeutet systematisch Daten und Informationen zu sammeln, diese regelmäßig sowie einmal jährlich im Rahmen einer Evaluierung auszuwerten und sie den an der Umsetzung des Schutzkonzepts Beteiligten allgemein verständlich zu kommunizieren, sie gemeinsam mit ihnen zu diskutieren und Handlungsbedarfe abzuleiten. Effektives Monitoring vereinfacht die Kommunikation und Koordination der Umsetzung des Schutzkonzepts zwischen allen Beteiligten und nimmt sie stärker in die Verantwortung. Gleichzeitig trägt das Monitoring aber auch zum gemeinsamen Lernen und der Weiterentwicklung des Schutzkonzepts bei.

Die Erhebung und Sammlung von Daten und Informationen erfolgt ĂĽber eine nachvollziehbare, systematische und standardisierte Dokumentation der Umsetzung des Schutzkonzepts. Kernelemente sind:

• die Dokumentation der Planung, Entwicklung und Umsetzung der vereinbarten schutzrelevanten Maßnahmen sowie der laufenden Ergebnisse der Maßnahmen und ihre Kosten;
• die anonyme Dokumentation schutzrelevanter Beschwerden sowie der Ergebnisse des Beschwerdemanagements und
• die Dokumentation von Verdachts- und Gewaltvorfällen sowie anderer schutzrelevanter Informationen und Daten (insbesondere ausgewählte Risiko- und Schutzfaktoren und -bedingungen sowie die Bedarfe und Bedürfnisse der schutzbedürftigen Personen, die im Rahmen partizipativer Risiko- und Bedarfsanalysen erfasst werden).

Effektives Monitoring benötigt wie alle Maßnahmen eine verantwortliche Person, ein Konzept, einen Umsetzungsplan, standardisierte Instrumente und Handlungsabläufe und muss in bestehende Qualitätssicherungs- und Datenverarbeitungssysteme integriert werden. Daten werden zu verschiedenen Zeitpunkten durch Anwendung unterschiedlicher Methoden und Instrumente erhoben und in das Monitoringsystem eingespeist.

Für das Monitoring und die Evaluierung der Umsetzung der einrichtungsinternen Schutzkonzepte sind die Flüchtlingsunterkünfte selbst verantwortlich, das heißt die Leitung der Einrichtung. Darüber hinaus liegt die Verantwortung hierfür aber auch bei den Trägern der Einrichtung und bei den Aufsichtsbehörden. Unabhängige Monitoringstellen (zum Beispiel eine Ombudsstelle ähnlich der in Köln,) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle beim Monitoring, der Evaluierung und im Beschwerdemanagement.