Kinderfreundliche Orte

Was sind Kinderfreundliche Orte?

Kinderfreundliche Orte geh√∂ren zum Schutzkonzept f√ľr Kinder in Not und Krisensituationen. Sie bieten einen sicheren, gesch√ľtzten Ort, in dem ein anregendes und f√∂rderndes Umfeld geschaffen wird, welches Kinder durch strukturierte Spiel-Freizeit- und Lernaktivit√§ten ein gewisse Normalit√§t und Kontinuit√§t zur√ľckgibt. Ziel ist es Kinder, die Konflikte oder Katastrophen erfahren haben und fliehen mussten zu stabilisieren, ihr psychosoziales Wohlbefinden zu st√§rken, und die Resilienz zu f√∂rdern. Kinderfreundliche Orte und Angebote werden partizipativ gef√ľhrt und zur Mobilisierung des Gemeinwesens genutzt, um das Recht der Kinder auf Schutz, auf Spielen und Lernen ein zu gew√§hrleisten.

Kinderfreundliche Orte und Angebote m√ľssen fester Bestandteil der Einrichtung sein

Kinderfreundliche Orte und Angebote richten sich an alle Kinder in der Fl√ľchtlingsunterkunft (alle Altersgruppen ‚Äď in der Regel bis 18 Jahre alt, mit oder ohne Beeintr√§chtigung etc.). Sie bieten ihnen einen sicheren und gesch√ľtzten R√ľckzugsort, in dem sie Stabilit√§t und Halt erfahren, sowie ein anregendes und f√∂rderndes Umfeld, in dem sie spielen und lernen k√∂nnen. Kinderfreundliche Orte und Angebote sollen das psychosoziale Wohlbefinden st√§rken und helfen, das Erlebte besser zu verarbeiten und die innere Widerstandsf√§higkeit zu f√∂rdern. Kinderfreundliche Orte werden basierend auf einer partizipativen Bedarfsanalyse entwickelt, die sich an die Unterkunftsleitung und leitende Mitarbeiter_innen der Unterkunft, sowie an die Bewohner_innen (Eltern, Kinder und Jugendliche) richtet. Die Wohngemeinschaft ist auch in die Umsetzung der Angebote eng eingebunden. Angebote sind barrierefrei zug√§nglich und alters-, kultur- und geschlechtersensibel zu gestalten.

Das Konzept der kinderfreundlichen Orte impliziert eine integrierte Raumplanung und -gestaltung unter Einbeziehung von strukturierten Spiel- und Lernangeboten, Erholung, Bildung und psychosozialer Unterst√ľtzung f√ľr Kinder. Feste, angemessene Betreuungsschl√ľssel die sich an dem KiTa Betreuungschl√ľssel orientieren, und, in Sachen Kindesschutz, psychologische Ersthilfe, Kindesentwicklung und Sozialp√§dagogik qualifiziertes Personal (einschlie√ülich Ehrenamtlicher, die zusammen mit Hauptamtlichen und Eltern Aktivit√§ten unterst√ľtzen ) sind Teil des Schutzes, der im Rahmen der kinderfreundlichen Orte gew√§hrleistet wird.

Es sollte innerhalb der Einrichtung mindestens eine_n Hauptverantwortliche_n f√ľr die kinderfreundlichen Orte geben. Unter anderem betreut diese_r Mitarbeiter_in andere hauptamtliche Mitarbeiter_innen, sowie die in dem Bereich t√§tigen Eltern und ehrenamtlich T√§tigen. Diese Person sorgt au√üerdem f√ľr die Gewinnung und Instandhaltung der Einrichtung und Materialien. Um sicherzustellen, dass die kinderfreundlichen R√§ume und Angebote wie geplant und bedarfsgerecht umgesetzt werden und zur Reduzierung von Risiken beitragen, m√ľssen im Rahmen dieser regelm√§ssig der Umsetzungsprozess und schutzrelevante Daten erfasst werden. Hierzu z√§hlen beispielsweise Daten zur Registrierung, Anwesenheit, durchgef√ľhrte Aktivit√§ten, Beschwerden und Vorf√§lle, Verweisungen und Entwicklung der Kinder. Diese Daten m√ľssen in das Qualit√§tssicherungs- und Monitoringsystem der Einrichtung eingespielt, ausgewertet und in regelm√§ssigen Treffen (zum Beispiel Dienstbesprechungen, Mitarbeiter_innenbesprechungen, Supervisionssitzungen, Treffen von Beteiligungsstrukturen) diskutiert und konkrete Handlungsbedarfe abgeleitet werden.

Kinderfreundliche Orte ersetzen nicht die Regelangebote f√ľr Kinder, Jugendliche und Familien, sondern bieten wichtige Br√ľckenangebote und √úbergangsl√∂sungen solange Kinder, Jugendliche und ihre Eltern relevante Regelangbote (insbesondere KiTas, Schulen) aufgrund administrativer/rechtlicher Sachverhalte (noch) nicht in Anspruch nehmen k√∂nnen.

Ausrichtung f√ľr Kinder

Im Allgemeinen werden Angebote f√ľr vier Altersgruppen eingerichtet, und dementsprechend zu unterschiedlichen Nutzungszeiten bereitgestellt: S√§uglinge/Kleinkinder, Kinder im Vorschulalter (unter sechs Jahre alt), Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und Jugendliche (13 bis 18 Jahre). Bei gewissen Aktivit√§ten kann die Durchmischung der Altersgruppen jedoch dann hilfreich sein, wenn √§ltere Kinder die Betreuung und F√∂rderung der J√ľngeren unterst√ľtzen (‚ÄěBuddysystem‚Äú). Externe Angebote der Gemeinde, Kommune und Zivilgesellschaft sollten genutzt werden um einrichtungsinterne Angebote zu erg√§nzen. Sie f√∂rdern des Weiteren die Integration in die neue Umgebung und Gesellschaft. Unterk√ľnfte, die aufgrund baulicher Einschr√§nkungen keine M√∂glichkeit haben, einen kinderfreundlichen Raum einzurichten, m√ľssen Kinder und ihre Eltern in der Inanspruchnahme dieser externen Angebote (auch Spielpl√§tze, mobile Spiel- und Lernm√∂glichkeiten, Freiluftaktivit√§ten etc.) unterst√ľtzen.

Kinderfreundliche Orte dienen auch zur Erstidentifikation von besonders schutzbed√ľrftigen Kindern und Kindern mit besonderen Bed√ľrfnissen, durch die Fr√ľherkennung von Verdachtssymptomen - geistige, emotionale oder k√∂rperliche Charakteristiken und Verhaltensweisen, die beispielsweise auf ein Traumata, eine Krankheit oder eine Behinderung hinweisen. Diese m√ľssen dann an die daf√ľr zust√§ndigen, spezialisierten Akteure weiterverwiesen werden.


Ausrichtung f√ľr Eltern

Kinderfreundliche Orte bieten eine wichtige Einstiegsm√∂glichkeit zur Zusammenarbeit mit Eltern, zum Informationsaustausch und zur Integrationsf√∂rderung. Zum einen soll die aktive Teilnahme der Eltern an kinderfreundlichen Orten die Bindung zwischen Eltern und Kind st√§rken, und Eltern in Ihrer Elternrolle bef√§higen, zum anderen, soll die Betreuung der Kinder Eltern unterst√ľtzen und entlasten. Elternberatung muss im Rahmen von kinderfreundlichen Angeboten den positiven, gewaltfreien Umgang mit ihren Kindern f√∂rdern. Des Weiteren sollten Elterngruppen und Elterntreffen zur Sensibilisierung, zum Informationsaustausch und zur Aufkl√§rung genutzt werden: zur Aufkl√§rung Ihre Rechte und die Rechte Ihrer Kinder, um interne und externe Angebote vorzustellen, Leistungen und Regelstrukturen bekanntzumachen, und um √ľber wichtige √Ąmter und Beh√∂rden, unterst√ľtzenden Institutionen und Organisationen zu informieren. (Interne) H√ľrden, die Eltern davon abhalten k√∂nnen Regelangebote f√ľr Ihre Kinder in Anspruch zu nehmen, k√∂√∂nen dadurch abgebaut werden. Die Zusammenarbeit mit Eltern soll au√üerdem die St√§rkung des Selbstbewusstseins f√∂rdern und psychosoziale Unterst√ľtzung bieten, die sich wiederum positiv auf das Kindeswohl auswirkt.