Netzwerktreffen der Bundesinitiative 2019



Am 15. November 2019 kamen Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen aus der Bundesinitiative "Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" sowie von Landesministerien und nachgeordneten Behörden und aus der Praxis zum Netzwerktreffen der Bundesinitiative in Berlin zusammen, um sich zum Thema „Psychosoziale Belastungen im Flucht- und Unterbringungskontext – Herausforderungen, Ansätze und Ressourcen“ auszutauschen.

Menschen mit Fluchterfahrung haben oftmals schwere Menschenrechtsverletzungen, wie Folter, Krieg und Menschenhandel erlebt, sexualisierte Gewalt erfahren, wurden verfolgt oder vertrieben. Traumatische Erfahrungen, wie sie ein großer Teil der Geflüchteten erlitten hat, haben starken Einfluss auf ihre physische und psychische Gesundheit. Die Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften lässt eine angemessene Bewältigung von potentiell traumatisierenden Erlebnissen im Herkunftsland und auf der Flucht kaum zu. Mangel an Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten, stark eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe und vielfältige psychosoziale Belastungen können die Lage von betroffenen Menschen verschärfen.

Wie bringen sich unbewältigte Traumatisierungen im Fluchtkontext zum Ausdruck? Was bedeutet das für die Bewohnerinnen und Bewohner von Flüchtlingsunterkünften und den beruflichen Alltag der Beschäftigten? Welche Wege des stabilisierenden Umgangs gibt es? Das sind Fragen, die im Rahmen des Netzwerktreffens reflektiert wurden.

Nach einleitenden Worten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzten Prof. Dr. med. Meryam Schouler-Ocak (Charité) mit der Keynote „Trauma im Fluchtkontext – Kernkonzepte und Forschungsstand“ und Silvia Schriefers (XENION) mit dem Kommentar „Soziale Arbeit mit potentiell traumatisierten geflüchteten Menschen – Auftrag und Grenzen“ den fachlichen Rahmen für das Netzwerktreffen. Im Weltenkaffee erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu den Vorträgen auszutauschen und zu vernetzen. Nach der Mittagspause wurden in Workshops vielversprechende Projekte und Ansätze vorgestellt und mit Blick auf Transfermöglichkeiten diskutiert. Zum Abschluss des Netzwerktreffens hat das Theater für Menschenrechte einen Ausschnitt aus den Asyl-Monologen dargeboten.

Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung.




Dokumentation des Netzwerktreffens



Präsentationen

Keynote: Trauma im Fluchtkontext – Kernkonzepte und Forschungsstand
Prof. Dr. med. Meryam Schouler-Ocak, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité
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Kommentar: Soziale Arbeit mit potentiell traumatisierten geflüchteten Menschen – Auftrag und Grenzen
Silvia Schriefers, XENION – Psychosoziale Hilfen für politische Verfolgte e. V.
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Workshop 1: Trauma-Erste-Hilfe von GeflĂĽchteten fĂĽr GeflĂĽchtete
Dr. med. Ulrike Wichtmann, First Aid International Trauma Helpers (FAITH)
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Workshop 2: Traumasensibler Umgang mit geflĂĽchteten Menschen in FlĂĽchtlingsunterkĂĽnften - Ansatz und Instrumente
Lea Flory, Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren fĂĽr FlĂĽchtlinge und Folteropfer e. V. (BAfF)
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Workshop 3: Wenn Täter selbst Opfer waren – Junge Täter begleiten
Julia Birnthaler, LIEBIGneun – Beratungsstelle für sexuelle übergriffige Jungen und Mädchen, Wildwasser Gießen e. V.
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WeiterfĂĽhrende Informationen

  • Links zum Projekt First Aid International Trauma Helpers (FAITH):
    Weitere Informationen zum Projekt FAITH und Kontaktdaten finden Sie auf der Webseite des Projektes FAITH sowie auf der Webseite der Dachorganisation ArrivalAid. Einen ausfĂĽhrlichen Bericht zum Projekt FAITH finden Sie auf der Webseite des Tutzinger Diskurses.


  • Kostenfreies E-Learning Programm zur Arbeit mit geflĂĽchteten, traumatisierten jungen Menschen:

    In einem gemeinsamen Projekt haben die niederländische Augeo Foundation, der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) und die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e. V.) ein E-Learning Programm entwickelt, das Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte bei der Arbeit mit geflüchteten, traumatisierten jungen Menschen unterstützen soll. Das Projekt wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), terre des hommes Deutschland und der Freudenberg Stiftung gefördert.

    Eine ausfĂĽhrliche Beschreibung des Projektes finden Sie in der Pressemeldung zum Start des E-Learning Programms. Zur ausfĂĽhrlichen Kursbeschreibung und Anmeldung gelangen Sie auf der Webseite www.trauma-sensibel.de.



  • Umfassende Ăśbersicht von Einrichtungen zur Therapie, Beratung und Betreuung von sexuell ĂĽbergriffigen Kindern und Jugendlichen und weitere Hilfsangebote zum Thema sexuelle Gewalt:

    Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e. V. (DGfPI) bietet eine umfassende nach Bundesländern strukturierte Übersicht von Beratungsstellen und Hilfsangeboten zum Thema sexuelle Gewalt. Die Übersicht richtete sich insbesondere an Fachkräfte aller Berufsgruppen, die in ihrer alltäglichen Arbeit mit den verschiedenen Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung befasst sind und mit den Betroffenen sowie deren Familien arbeiten.

    Die Ăśbersicht finden Sie auf der Webseite der DGfPI.



  • Versorgungsbericht zur psychosozialen Versorgung von FlĂĽchtlingen und Folteropfern in Deutschland, 5. aktualisierte Auflage (BAfF e. V., 2019):

    In Deutschland ist es für traumatisierte Flüchtlinge nach wie vor schwierig, die Behandlung und (psycho-) soziale Beratung zu erhalten, die sie für eine Genesung benötigen. Zu diesem Ergebnis kommt die BAfF e.V. in einem 5-Jahres-Rückblick auf ihre Versorgungsdaten.

    Hier gelangen Sie zum Versorgungsbericht der BAfF e. V. (2019)



  • Arbeitshilfe „Abschiebung und (unbegleitete) junge GeflĂĽchtete – Rechtlicher Rahmen und Handlungsoptionen der Kinder- und Jugendhilfe“ (BAfF e. V. und BumF, 2018):

    Gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Jonathan Leuschner aus Frankfurt am Main und Nerea González Méndez de Vigo vom Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) hat die BAfF e. V. die Arbeitshilfe „Abschiebung und (unbegleitete) junge Geflüchtete – Rechtlicher Rahmen und Handlungsoptionen der Kinder- und Jugendhilfe“ erstellt.

    Hier gelangen Sie zur Arbeitshilfe „Abschiebung und (unbegleitete) junge Geflüchtete".



  • Positionspapier „Lots*innen, Peers und Laienhelfer*innen: (Neue) UnterstĂĽtzungskonzepte in der psychosozialen Arbeit mit GeflĂĽchteten“ (BAfF e. V., 2019):

    In dem Positionspapier werden die aktuellen Entwicklungen und neuere Ansätze in der Unterstützung von geflüchteten Menschen durch Laien und Peers zusammengefasst und in den derzeitigen Diskurs eingeordnet. Thematisiert werden auch die Grenzen der Unterstützungskonzepte und Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber professionellen Hilfeleistenden.

    Hier gelangen Sie zum Positionspapier „Lots*innen, Peers und Laienhelfer*innen: (Neue) Unterstützungskonzepte in der psychosozialen Arbeit mit Geflüchteten“.



  • Praxisleitfaden „Traumasensibler und empowender Umgang mit GeflĂĽchteten“ (BAfF e. V., 2017):

    Der Praxisleitfaden richtet sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche und bietet Unterstützung bei der traumasensiblen Arbeit mit geflüchteten Menschen.

    Hier gelangen Sie zum Praxisleitfaden.