Die Initiative

Bild1Seit 2015 haben rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland Asyl beantragt, um hier Zuflucht und Schutz vor Krieg und Gewalt zu suchen - darunter rund ein Drittel Kinder und Jugendliche. Trotz der enormen Anstrengungen von Politik, Beh├Ârden und Zivilgesellschaft und stark r├╝ck­l├Ąufiger Zuzugszahlen werden die Bed├╝rfnisse und Rechte dieser Menschen vielerorts noch nicht im vollen Umfang beachtet.

Gemeinschaftlich genutzte, h├Ąufig sehr gro├če Geb├Ąude, Con­tainer oder Leichtbauhallen sind f├╝r viele gefl├╝chtete Menschen der zentrale Lebensmittelpunkt. Vor allem M├Ądchen und Jungen, die sich mit ihren Familien in Fl├╝chtlingsunter­k├╝nften aufhalten, sind in einer schwierigen Situation: Oftmals leben sie ├╝ber viele Monate oder sogar Jahre in Unterk├╝nften, die in vielen F├Ąllen nicht sicher und nicht kindgerecht sind. Generell haben das Zusammenleben vieler fremder Menschen auf engem Raum, mangelnde Privatsph├Ąre und fehlende R├╝ckzugsorte, zum Teil problematische hygienische Bedingungen und fehl­ende Schutzkonzepte Auswirkungen auf die Sicherheit und das Wohlergehen aller Bewohner_innen, und insbesondere die gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Um den Schutz sowie die Versorgung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen in den Fl├╝chtlingsunterk├╝nften zu gew├Ąhrleisten sowie den Zugang zu Bildungsangeboten und psychosozialer Unterst├╝tzung zu verbessern, haben das Bundesfamilienministerium und UNICEF im Fr├╝hjahr 2016 eine gemeinsame Initiative gestartet. Die ÔÇ×Initiative zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nftenÔÇť wird in enger Zusammenarbeit mit den Mitglieds­ver­b├Ąnden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. und weiteren Partnern umgesetzt. UNICEF bringt dabei seine langj├Ąhrige Erfahrung bei der internationalen Unterst├╝tzung f├╝r Kinder in Konflikten und auf der Flucht ein.


Ma├čnahmen der Initiative

Partnerschaften zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen aufbauen

Inzwischen ist die Initiative auf ├╝ber 30 Verb├Ąnde und Organisationen angewachsen. F├╝r die Verbesserung der Unter­bringungsqualit├Ąt von besonders schutzbed├╝rftigen Menschen wurden bundesweit in rund 100 Konsultations­einrichtungen Personalstellen f├╝r Gewaltschutz geschaffen. Basierend auf einer partizipativen Risiko- und Bedarfsanalyse und in enger Abstimmung mit der Leitung erarbeiten die Koordinator_innen auf die Einrichtungen zugeschnittene Schutz­konzepte und koor­dinieren ihre Umsetzung und Evaluierung. Um den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den ein­zel­nen Einricht­ungen und den Partnern zu f├Ârdern, finden regelm├Ą├čig Fach- und Regionalkonferenzen sowie Netzwerk­treffen statt.


Den Schutz von gefl├╝chteten Menschen ├╝berall verbindlich machen

Die Partner der Initiative haben erstmals bundesweit einheitliche ÔÇ×Mindeststandards zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Fl├╝chtlingsunterk├╝nftenÔÇť entwickelt. Die Mindeststandards gelten als Leitlinien f├╝r die Erstellung, Umsetzung, das Monitoring und die Evaluierung von einrichtungsinternen Konzepten zum Schutz von Kindern und anderen schutzbe­d├╝rftigen Menschen. Sie umfassen insbesondere die Bereiche Personal, strukturelle und bauliche Voraussetzungen, ex­terne Kooperationen, Pr├Ąvention von und Umgang mit Gewalt- und Gef├Ąhrdungssituationen, die F├Ârderung des Wohlbe­findens und der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie das Monitoring der erzielten Fortschritte und die Evaluierung der Wirkungen der Schutzma├čnahmen. 2017 wurden die Mindeststandards inhaltlich ├╝berarbeitet, um Erfahr­ungen aus der Praxis einflie├čen zu lassen sowie den Fokus auf besonders schutzbed├╝rftige Personengruppen weiter auszudifferenzieren.


Nachhaltigkeit f├Ârdern, Kapazit├Ąten aufbauen

F├╝r das Personal der Konsultationseinrichtungen und die Partner der Initiative bietet UNICEF ein umfassendes Schulungs­programm und eine Toolbox mit Instrumenten zur Unterst├╝tzung der Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten an. Das Programm wird von einem umfassenden Coaching-Plan begleitet und konzentriert sich auf die Pr├Ąvention von und den Umgang mit Gewalt- und Gef├Ąhrdungssituationen sowie die F├Ârderung der Entwicklung von Kindern und ihres Wohlbe­fin­dens. Der Coaching-Plan umfasst zudem Feldbesuche zur Unterst├╝tzung des Personals vor Ort, den Aufbau eines Partner­schaftssystems sowie thematische Schulungen und Webinare zur Kompetenzst├Ąrkung des Personals von Fl├╝chtlingsunter­k├╝nften sowie zur Sicherstellung des Wissenstransfers. Dies schlie├čt auch so genannte kinderfreundliche Orte in den Un­ter­k├╝nften ein, an denen Kinder Schutz und Halt erfahren und gef├Ârdert werden.


Situation der gefl├╝chteten Kinder systematisch beobachten und die Datenlage verbessern

Bis heute fehlen in vielen Bereichen verl├Ąssliche Daten und Informationen zur Situation von Kindern, Jugendlichen und anderen schutzbed├╝rftigen Menschen in den Fl├╝chtlingsunterk├╝nften. Diese sind jedoch die Voraussetzung daf├╝r, diesen Menschen wirksam und gezielt zu helfen, sie fr├╝hzeitig zu identifizieren und alle Beteiligten in die Verantwortung zu nehmen. Um bestehende Monitoring-Systeme zu st├Ąrken, entwickelt UNICEF gemeinsam mit den Partnern der Initiative ein einfaches Monitoring-Tool zur Erfassung und Analyse schutzrelevanter Erkenntnisse und Daten sowie eine praktische Imple­mentierungshilfe f├╝r das Monitoring und die Evaluierung von Schutzkonzepten in den Fl├╝chtlingsunterk├╝nften. Die Ergebnisse des Monitorings und einer regelm├Ą├čigen Evaluierung dienen als Grundlage f├╝r die Optimierung des Schutz­konzepts und entsprechender Schutzma├čnahmen sowie f├╝r politische Entscheidungen zum Schutz von gefl├╝chteten Menschen in Unterk├╝nften. Dar├╝ber hinaus arbeitet UNICEF in Zusammenarbeit mit Partnern auch an der Verbesserung der nationalen Datenlage zu gefl├╝ch­teten und migrierten Kindern und ver├Âffentlicht in Zusammenarbeit mit Partnern regelm├Ą├čig spezifische Situations- und Datenanalysen zu gefl├╝chteten Kindern und Jugendlichen sowie Berichte zu aktuellen Themen.





Weitere Informationen und Download der Mindestschutzstandards unter:
www.unicef.de/fl├╝chtlingskinder und www.gewaltschutz-gu.de/themen/die_mindeststandards/



Stand: April 2018, Bildnachweis: UNICEF/DT2016-45794/Ashley Gilbertson / VII Photo