Schutz von Frauen und Mädchen

Einführung

Frauen und Mädchen machen rund ein Drittel der Geflüchteten aus, die nach Deutschland kommen. Sie stellten im Jahr 2016 34 Prozent der Asylanträge.

Die Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sind in besonderer Weise wahrzunehmen, um ihnen in einer Flüchtlingsunterkunft ein schützendes und förderndes Umfeld zu bieten und sie langfristig bei der Integration sowie dem Aufbau einer eigenständigen Existenzsicherung zu unterstützen. Denn viele geflüchtete Frauen und Mädchen sind vor, während und/oder nach der Flucht von Gewalt betroffen, besonders von geschlechtsspezifischer Gewalt und damit von „Gewalt, die gegen eine Frau gerichtet ist, weil sie eine Frau ist, oder die Frauen unverhältnismäßig stark betrifft“ , wie etwa sexualisierte Gewalt und Menschenhandel.


Hilfe- und Unterstützungssystem in Deutschland


In Deutschland besteht ein ausdifferenziertes Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen, das auch geflüchteten Frauen und Mädchen offen steht. Hierzu gehören mehr als 350 Frauenhäuser und mehr als 40 Schutzwohnungen mit mehr als 6.000 Plätzen, die jährlich etwa 15.000 bis 17.000 Frauen mit ihren Kindern – das heißt etwa 30.000 bis 34.000 Personen – Schutz und Beratung bieten. Hinzu kommen bundesweit mehr als 750 Fachberatungsstellen, die von Gewalt betroffene Frauen qualifiziert beraten und unterstützen.

Auch Schwangerschaftsberatungsstellen sind gefordert, (vor allem bereits schwangeren) geflohenen Frauen schnelle und praktische Unterstützung im Rahmen der allgemeinen Schwangerschafts(konflikt)beratung anzubieten. Geflohene Frauen befinden sich in einer Ausnahmesituation, die durch eine Schwangerschaft noch verstärkt wird. Vor allem die oft traumatischen Erfahrungen, aber auch die Sprachbarrieren und unterschiedlichen kulturellen Hintergründe, stellen hohe Ansprüche an die psychosoziale Beratung.

Vor dem Hintergrund dieser besonderen Situation hat das Bundesfrauenministerium zwei Modellprojekte gestartet, um den schwangeren, geflohenen Frauen in Deutschland einerseits und dem geforderten Hilfesystem andererseits Unterstützung zukommen zu lassen:


  • Das Projekt „Schwangerschaft und Flucht“ richtet sich direkt an die schwangeren, geflohenen Frauen selbst. Durch das Modell der aufsuchenden Beratung wird den Frauen ein niedrigschwelliger Zugang zum deutschen Frauenunterstützungssystem ermöglicht. Projektträger ist der Bundesverband donum vitae e.V.

  • Gemeinsam mit dem Bundesverband Pro Familia e.V. führt das Bundesfrauenministerium zudem das Modellprojekt „Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen“ durch. Das Projekt dient der professionellen Vernetzung, dem Austausch und der gegenseitigen Unterstützung von multidisziplinären Fachkräften, ehrenamtlichen Initiativen und Migrantenorganisationen.



Informationsmaterialien des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)


Neben den genannten Modellprojekten stellt das Bundesfrauenministerium praxisorientierte Informationsmaterialien für schwangere, geflüchtete Frauen und Mädchen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Verfügungen:


  • Seit Januar 2018 ist die Broschüre „Beratung für schwangere Frauen“ erhältlich – eine Informationsbroschüre in Leichter Sprache zu den Hilfen für Schwangere in Not. Hilfesuchende erhalten durch kurze, verständliche Sätze Informationen, an wen sie sich vertrauensvoll und anonym wenden können. Damit ist die neue Broschüre vor allem auch für schwangere, geflüchtete Frauen eine wichtige Informationsgrundlage – auch für all diejenigen, die nur über wenige Deutschkenntnisse verfügen.

  • Die Broschüre „Die vertrauliche Geburt“ bietet einen Überblick über die wichtigsten Fragen, die sich im Rahmen der vertraulichen Geburt stellen und dient als Orientierungshilfe für alle am Verfahren beteiligten Akteure. Zudem enthält die Broschüre alle gesetzlichen Regelungen, die zur Verbesserung der Hilfen für Schwangere und zur vertraulichen Geburt eingeführt worden sind.

  • Das Bundesfamilienministerium stellt weitere zielgruppenspezifische und praxisorientierte Informationsmaterialien zum Thema „vertrauliche Geburt“ zur Verfügung, die sich sowohl an Schwangere als auch an wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren richten.