Netzwerktreffen der Bundesinitiative


Flucht und Männlichkeit – Herausforderungen und Perspektiven in der Unterbringungspraxis

65,7 Prozent der geflüchteten Menschen, die in den Jahren 2015 und 2016 einen Asylerstantrag gestellt haben, waren Männer. In der am meisten vertretenen Altersgruppe der 18 bis unter 25-Jährigen waren sogar 76 Prozent der geflüchteten Menschen männlich. Ähnliches gilt für das Jahr 2017 mit einem Anteil von 60,5 Prozent männlicher Geflüchteter insgesamt und einem Anteil von 72,6 Prozent bei den 18 bis unter 25-Jährigen. Auch aktuell lässt sich diese Beobachtung belegen. Im Zeitraum Januar bis September 2020 wurden 57 Prozent aller Asylerstanträge von männlichen Geflüchteten gestellt, während es in der Gruppe der 18 bis 25-Jährigen sogar 68 Prozent waren. Die Schlussfolgerung: Flucht ist jung und männlich.

Die spezifischen Bedarfe von jungen geflüchteten Männern finden in den Strukturen der Unterbringung und der Angebotslandschaft hingegen wenig Berücksichtigung. Zugleich werden junge geflüchtete Männer im öffentlichen Diskurs oftmals als Problemgruppe und Sicherheitsrisiko dargestellt. Mit diesen Zuschreibungen geht ein erhöhtes Diskriminierungsrisiko einher, das das Ankommen in Deutschland sehr erschweren kann. Dabei sind gerade junge geflüchtete Männer vielen Anforderungen zugleich ausgesetzt. Sie befinden sich im Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter und sollen diesen nach den sozialen Regeln der Aufnahmegesellschaft bewältigen während sie zugleich potentiell traumatisierende Erlebnisse und seelische Verletzungen zu verarbeiten haben.

Das diesjährige Netzwerktreffen der Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ widmet sich dem Themenfeld Männlichkeit und Flucht. Ziel ist, ein differenziertes Bild der Herausforderungen und Bedarfe für junge geflüchtete Männer zu zeichnen, das zum einen kriminologische Erkenntnisse zu Schutz- und Risikofaktoren, zum anderen Praxiserfahrungen in der psychosozialen Arbeit mit jungen geflüchteten Männern berücksichtigt. Welche strukturellen Bedingungen begünstigen einen guten Übergang ins Erwachsenenalter für junge geflüchtete Männer? Welche alters- und geschlechtssensiblen Angebote können sichere Räume für eine reflektierende Auseinandersetzung mit männlichen Rollenbildern und der eigenen Identitätsbildung schaffen? Welche Unterstützung brauchen geflüchtete Männer, die Folter oder Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt haben? Und wie kann man weiteren Gewalterlebnissen vorbeugen?

Datum und Uhrzeit

27.11.2020 | 9:00 - 12:00 Uhr


Zielgruppe

Vertreter*innen der Partnerorganisationen in der Bundesinitiative

Vertreter*innen aus der Praxis

Vertreter*innen von Behörden


Online Plattformen

Edudip Next

Webex Meetings


Federführung

Kontakt

Servicestelle Gewaltschutz

Tel | 030 390 634 760
Servicestelle Gewaltschutz


Programm

Usama Ibrahim-Kind, Tagesmoderation, Servicestelle Gewaltschutz

Michael Tetzlaff, Leiter der Abteilung 1 Demokratie und Engagement, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Norbert Seitz, Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention, Ministerialdirektor a.D., zuletzt Leiter der Abteilung Migration, Rückkehr und europäische Rechtsharmonisierung im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Risiko- und Schutzfaktoren für männliche Geflüchtete – Prävention vs. Stigma

Matthias Kornmann, Referent, Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention

„Jung und männlich? Bitte hintenanstellen!“ Lebensrealitäten junger Männer in Flüchtlingsunterkünften

Conny Hiller, Projektmanagement, BONVENO Göttingen gGmbH

Flucht und Männlichkeit – Herausforderungen und Perspektiven in der Unterbringungspraxis

Patrick Dörr, Bundesvorstand, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland

Matthias Kornmann, Referent, Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention

Conny Hiller, Projektmanagement, BONVENO Göttingen gGmbH

Sultan Zeb Khawaja, Teamleiter, Projekt BROTHERS, BONVENO Göttingen gGmbH

Gerhard Hafner, Projektleiter, Beratung für Männer – gegen Gewalt, Volkssolidarität Landesverband Berlin e. V. / Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt e. V.

Mehmet Kiratli, Berater, Beratung für Männer – gegen Gewalt, Volkssolidarität Landesverband Berlin e. V. / Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt e. V.

Dr. Michael Tunç, Gesprächsmoderation, Professur für Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft, Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg

Usama Ibrahim-Kind, Tagesmoderation, Servicestelle Gewaltschutz

Werkstattgespräche mit informellem Austausch

Referent*innen des Podiums


Online Plattformen: Edudip Next und Webex Meetings

Für die Programmpunkte von 9:00 – 11:30 Uhr nutzen wir die Edudip Next. Für den offenen Ausklang von 11:30 – 12:00 Uhr kommt Webex Meetings zum Einsatz. Sie können über die üblichen Webbrowser teilnehmen, die Installation einer Software ist nicht erforderlich.

Bitte machen Sie sich im Vorfeld der Veranstaltung mit Edudip Next und Webex Meetings vertraut und klären Sie gegebenenfalls mit Ihrer IT Abteilung, ob die Voraussetzungen für die Teilnahme gegeben sind.


Anmeldung nicht mehr möglich!


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