Schutz von LSBTI*-Geflüchteten


Lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche (LSBTI*) Geflüchtete waren in ihren Herkunftsländern und während der Flucht oft massiver Verfolgung ausgesetzt – vom Staat durch kriminalisierende Gesetze, von der Mehrheitsgesellschaft, nicht selten auch von der eigenen Familie. Dabei ist für viele von ihnen mit Ankunft in Deutschland die Flucht nicht vorbei: In Sammelunterkünften werden sie besonders häufig Opfer LSBTI*-feindlicher Gewalt, weswegen sie in Deutschland entsprechend den | Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften | als besonders schutzbedürftige Gruppe gelten.

Die große Mehrzahl der LSBTI*-Geflüchteten hat in ihren Herkunftsländern ein Leben im Geheimen gelebt, um sich vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen. Viele sind aus Angst oder Scham auch nach Ankunft in Deutschland nicht oder kaum in der Lage, über ihre sexuelle Orientierung bzw. geschlechtliche Identität zu sprechen, so dass sie für das Unterkunftspersonal mit ihrem besonderen Schutzbedarf unsichtbar bleiben. In der | EU-Aufnahmerichtlinie | (Art. 22, 1) hat sich Deutschland jedoch dazu verpflichtet, zu beurteilen, ob Geflüchtete besondere Schutzbedürfnisse bei der Aufnahme haben. Damit dies gelingen kann, bedarf es in den Unterkünften einer solidarischen Positionierung und systematischen Information aller Geflüchteten zum Thema LSBTI*, aber auch diskreter Wege, wie Geflüchtete ihren Schutzbedarf gegenüber dem Unterkunftspersonal und spezialisierten LSBTI*-Beratungsstellen anmelden können.


Hilfe- und Unterstützungssystem in Deutschland

In Deutschland gibt es in vielen Städten haupt- und ehrenamtliche Organisationen, die Beratungs- und Gruppenangebote speziell für LSBTI*-Geflüchtete vorhalten. Für LSBTI*-Geflüchtete ist die Anbindung an diese Organisationen von oft entscheidender Bedeutung: Hier können sie in einem sicheren Raum in Deutschland ankommen und Beratung zum Gewaltschutz und zum Asylverfahren erhalten. Die Teilnahme an Gruppenangeboten wirkt der oft starken Isolation LSBTI*-Geflüchteter in den Unterkünften entgegen. Sie trägt so zur unmittelbaren und langfristigen psychischen Stabilisierung bei.


Weiterführende Informationen und Materialien

Die Webseite des Projekts Queer Refugees Deutschland ist in neun Sprachen verfügbar und bietet umfassende Informationen und Materialien zum Thema LSBTI* und Flucht. Neben einem Kurzratgeber für LSBTI*-Geflüchtete zum Asylverfahren in Deutschland finden sich Erklär-Filme in mehrern Sprachen sowie eine Übersicht von Anlaufstellen für LSBTI*-Geflüchtete. Außerdem findet sich eine Aufstellung zahlreicher Materialen zum Thema LSBTI* und Flucht. Viele der speziell für Unterkünfte und Beratungsstellen entwickelten Materialien sind in mehreren Sprachen erhältlich und können beim LSVD kostenfrei als Print bestellt werden.

Projektwebseite "Queer Refugees Deutschland" (LSVD)

 


 

Auf der Webseite des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) finden sich zudem Rechtsratgeber zum Asylrecht sowie eine Sammlung relevanter Rechtsprechungen.

Webseite des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD)


Hinweis: Die Inhalte wurden mit freundlicher Unterstützung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland e. V. (LSVD) erstellt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht.

nach oben