Netzwerktreffen der Bundesinitiative 2023


Schutz von Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für geflüchtete Menschen – Bedingungen und Herausforderungen für die effektive Umsetzung des Kinderschutzes in der Unterbringungspraxis

Seit 2015 haben über zwei Millionen geflüchtete Menschen in Deutschland Asyl beantragt, davon über ein Drittel begleitete Kinder im Alter von 0 - 17 Jahren. Im letzten Jahr wurden zusätzlich über eine Million geflüchtete Menschen aus der Ukraine im Ausländerzentralregister verzeichnet, davon ebenso über ein Drittel begleitete Kinder unter 18 Jahren.  

Mit dem Inkrafttreten des Übereinkommens über die Rechte des Kindes – der UN-Kinderrechtskonvention – wurde international anerkannt, dass Kinder eigenständige Träger von Menschenrechten sind. Dies gilt uneingeschränkt für alle Kinder in Deutschland ungeachtet der nationalen, ethnischen und sozialen Herkunft oder des Aufenthaltsstatus. Nach der Ankunft in Deutschland werden geflüchtete Kinder und ihre Familien zunächst in Aufnahmeeinrichtungen der Länder und anschließend in kommunalen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Um zu erfahren, wie es Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für geflüchtete Menschen geht und was ihre Anliegen sind, haben UNICEF Deutschland und das Deutsche Institut für Menschenrechte gemeinsam mit dem SINUS Institut mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 - 18 Jahren in vier Unterkünften gesprochen. Anschließend wurden die Ergebnisse kinderrechtlich eingeordnet und Empfehlungen entwickelt. Die Studie zeigt auf, wo konkrete Herausforderungen bestehen und welche Faktoren Kinder vor Ort bestärken und unterstützen.

Für den Kinderschutz in Unterkünften spielt zudem die Kinder- und Jugendhilfe eine wesentliche Rolle. Geflüchtete Kinder und Jugendliche mit ihren Familien haben Anspruch auf Leistungen, Angebote und Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Daher gilt es, Zugänge zur Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen, indem Barrieren abgebaut werden. Zudem können die Jugendämter ein wichtiger Partner für die Entwicklung von Maßnahmen und Konzepten zum Schutz geflüchteter Kinder in Unterkünften für geflüchtete Menschen darstellen.

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des diesjährigen Netzwerktreffens der Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ beleuchtet, unter welchen faktischen Herausforderungen die Umsetzung des Kinderschutzes in der Unterbringungspraxis in der aktuellen Situation steht und wie zugleich den besonderen Bedarfen und Rechten der schutzsuchenden Kinder Rechnung getragen werden kann. Es wurde diskutiert, welche vielfältigen Praktiken und Ansätze sich - auch in Zeiten besonderer Herausforderungen - bewähren und zu deren Bewältigung genutzt werden können.

Datum und Uhrzeit

Präsenzveranstaltung

Freitag, 13.10.2023
09:30 - 17:00 Uhr


Veranstaltungsort

Leonardo Royal Hotel Berlin Alexanderplatz

Otto-Braun-Straße 90, 10249 Berlin

Zur Webseite des Veranstaltungsortes


Zielgruppe

Vertreter:innen von Landes- und kommunalen Behörden

Vertreter:innen der Partneroganisationen der Bundesinitiative

Vertreter:innen der Zivilgesellschaft

Vertreter:innen aus der Praxis, Gewaltschutzkoordinator:innen und andere interessierte Fachkräfte


Kontakt

Servicestelle Gewaltschutz

Tel | 030 390 634 760
Servicestelle Gewaltschutz

Das Netzwerktreffen der Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veranstaltet und findet seit 2017 jährlich zur Beförderung einer akteur:innen- und länderübergreifenden Vernetzung zu gewaltschutzrelevanten Themen statt. Das Netzwerktreffen 2023 wurde in Kooperation mit UNICEF Deutschland umgesetzt.


Dokumentation

Programm am 13.10.2023

Melanie Haas, Abteilungsleitung Abteilung 1 „Demokratie und Engagement“, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Dr. Sebastian Sedlmayr, Abteilungsleitung Advocacy und Politik, Deutsches Komitee für UNICEF

 

Tagesmoderation: Blanka Weber

 

Kinderrechte in Unterkünften für geflüchtete Menschen sind Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte

Claudia Kittel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention, Deutsches Institut für Menschenrechte

Ergänzung: Die Keynote und der Kurzimpuls wurden zusammengelegt.

Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für geflüchtete Menschen

Desirée Weber, Senior Advocacy Specialist Flucht und Migration, Stabstelle Advocacy und Politik, Deutsches Komitee für UNICEF

Sophie Funke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskon-vention, Deutsches Institut für Menschenrechte

 

 

Wie kann es gelingen? - Herausforderungen, Ansätze und Perspektiven für effektiven Kinderschutz in Geflüchtetenunterkünften

Desirée Weber, Senior Advocacy Specialist Flucht und Migration, Stabstelle Advocacy und Politik, Deutsches Komitee für UNICEF

Dr. Stefanie Röhrs, Teamleitung Fachbereich Schutz vor Gewalt, Save the Children

Luisa Gebauer, Referentin Inlandsprogramm Deutschland, Plan International Deutschland e.V.

Natascha Waltz, Unterkunftsleitung Gemeinschaftsunterkunft, Albatros gGmbH

Janna Zalikowsi, Koordinatorin für Gewalt- und Kinderschutz, Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

Mittagessen im Restaurant des Tagungshotels.

1. Durchgang | 13:30 - 14:45 Uhr, 2. Durchgang | 15:00 - 16:15 Uhr

 

Workshop 1: Umsetzung des Kinderschutzes in Notunterkünften. Materialien und Methoden.

Andreas Groß, Referent für die Beratung temporärer Unterkünfte für Geflüchtete, Save the Children

Sita Rajasooriya, Multiplikatorin für Gewaltschutz in Nordrhein-Westfalen im Projekt „Dezentrale Beratungs- und Unterstützungsstruktur für Gewaltschutz in Flüchtlingsunterkünften“ (DeBUG), PlanB Ruhr e.V.

 

Workshop 2: Traumasensibler Umgang mit und psychosoziale Stabilisierung von geflüchteten Jugendlichen in der Unterbringungspraxis

Jan Drunkenmölle, Jugendberatung und Liliana Marinho de Sousa, Diplom Pädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin i.A., XENION – Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

 

Workshop 3:  Die Kinder- und Jugendhilfe als wichtige Partner im Kinderschutz für Unterkünfte für schutzsuchende Menschen – Wie kann eine gute Zusammenarbeit gelingen?

Janneke Stein, Projektleitung im Fachbereich Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, Save the Children

Luisa Gebauer, Referentin Inlandsprogramm Deutschland, Plan International Deutschland e.V.

 

Workshop 4: Erstellung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in der Unterbringung für geflüchtete Menschen

Natascha Waltz, Unterkunftsleitung und Lara Hein, Sozialarbeiterin Gemeinschaftsunterkunft, Albatros gGmbH

Dr. Meike Nitschke-Janssen, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Tagesmoderation: Blanka Weber

Zusammenfassung und Abschluss

Tagesmoderation: Blanka Weber

Downloads

Vollständiges Programm des Netzwerktreffens der Bundesinitiative am 13.10.2023


Präsentation Keynote und Kurzimpuls
"Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für geflüchtete Menschen"

Präsentation Workshop 1
"Umsetzung des Kinderschutzes in Notunterkünften"

Präsentation Workshop 2
"Traumasensibler Umgang mit und psychosoziale Stabilisierung von geflüchteten Jugendlichen in der Unterbringungspraxis"

Präsentation Workshop 3
"Die Kinder- und Jugendhilfe als wichtige Partner im Kinderschutz für Unterkünfte für schutzsuchende Menschen – Wie kann eine gute Zusammenarbeit gelingen?"

Präsentation Workshop 4a
"Erstellung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in der Unterbringung für geflüchtete Menschen - Teil A"

Präsentation Workshop 4b
"Erstellung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in der Unterbringung für geflüchtete Menschen - Teil B"


Weiterführende Informationen

Im Rahmen der Veranstaltung wurden Hinweise zu Publikationen, Projekten sowie weiterführenden Informationen benannt. Diese sind im Folgenden aufgeführt.
 

Publikation "Das ist nicht das Leben"

Fast 40 Prozent der Menschen, die in Deutschland Asyl und Schutz suchen, sind Kinder und Jugendliche. Über ihre Situation ist wenig bekannt. In der von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Institut für Menscherechte kürzlich herausgegebenen Studie berichten Kinder und Jugendliche aus vier Unterkünften für geflüchtete Menschen über ihre Lebensrealität.

Zur Studie "Das ist nicht das Leben" (UNICEF, DIMR, 2023)
 


Informationen zu den "Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften"

Die Mindeststandards liegen seit Juni 2021 in nunmehr vierter Auflage und in englischer Fassung vor. Die Mindeststanmdards stehen Ihnen hier zur Verfügung:

Zu den "Mindeststandards" (2021, 4.Aufl.)

Die Begleitpublikationen zu den Mindeststandards finden Sie hier:

Zu den Begleitpublikationen der Mindeststandards
 


Publikation "Schritt für Schritt zum Schutzkonzept"

Die Stiftung SPI veröffentlichte im Juni 2022 mit der Publikation "Schritt für Schritt zum Schutzkonzept" einen Leitfaden zur Erarbeitung, Umsetzung und Verstetigung von Schutzkonzepten in Unterkünften für geflüchtete Menschen. Der Leitfaden richtet sich an alle Akteur:innen, die an der Unterbringung von geflüchteten Menschen in Aufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften beteiligt sind. Hier gelangen Sie zur Publikation:

Zum Leitfaden "Schritt für Schritt zum Schutzkonzept" (Stiftung SPI, 2022)
 


Informationen zu Praxismaterialien für die Notunterbringung

Im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (AG) zum Gewaltschutz unter hohem Belegungsdruck / Notunterbringung der vom Bundesfamilienministerium geförderten Bundesinitiative "Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" wurden Praxismaterialien zur Entwicklung und Umsetzung der Grundlagen des Gewaltschutzes in Notunterkünften erarbeitet. Diese umfassen eine Handreichung zum Verhaltenskodex, eine Checkliste für den Gewaltschutz geflüchteter Menschen in der Notunterbringung, die von einer digitalen Toolbox begleitet wird, sowie ergänzend ein Policy Paper.

Zu den Praxismaterialien für die Notunterbringung
 


Informationen zu Kinderschutz und Kinderrechten

Save the Children aktualisierte in diesem Jahr den im April 2022 erstmals veröffentlichten "Kinderrechte-Check", eine Checkliste zur Überprüfung und Gewährleistung der wichtigsten Schutzbedarfe für geflüchtete Kinder und ihre Familien in Notunterkünften. Hier gelangen Sie zur Checkliste:

Zur Publikation "Kinderschutz in Notunterkünften für Geflüchtete." (Save the Children, 2023)

Das Anfang dieses Jahres gestartete Projekt "Kinderrechte-Check digital" von Save the Children zielt auf eine Digitalisierung des Kinderrechte-Checks und die Entwicklung eines anwendungsfreundlichen Tools zur Selbstevaluation der Unterbringungssituation geflüchteter Kinder. Hierzu wird der analoge Kinderrechte-Check überarbeitet und vereinfacht. Mehr Informationen finden Sie hier:

Zum Projekt "Kinderrechte-Check digital"
 

Seit 2022 liegt die Handreichung "Kindersprechstunden in Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete" von Save the Children vor:

Zur Handreichung "Kindersprechstunden" (Save the Children, 2022)
 

Die von den Vereinten Nationen 1989 verabschiedeten Konvention über die Rechte des Kindes legt Grundlagen für das Überleben, die Gesundheit und die Erziehung von Kindern fest und setzt Normen, um Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern zu verhindern. UNICEF Deutschland veröffentlicht die UN-Kinderrechtskonvention im Wortlaut und in einer Broschüre zusammengefasst in kinderfreundlicher Sprache. Mehr Informationen und zum Download des Booklets:

Zur "Konvention über die Rechte der Kinder" (UNICEF)
 

Weitere Publikationen zum Thema "Schutz von Kindern und Jugendlichen" finden Sie hier:

Zu weiteren Publikationen "Schutz von Kindern und Jugendlichen"
 


Informationen zur Teilhabe geflüchteter Kinder und Familien in Deutschland

Save the Children und Plan International haben gemeinsam das Projekt "Gemeinsam für mehr Teilhabe geflüchteter Kinder und Familien am Kinder- und Jugendhilfesystem. Zugänge schaffen und Kooperationen fördern!" in den Jahren 2021 und 2022 umgesetzt, um den Zugang zum Kinder- und Jugendhilfesystem für geflüchtete Kinder und ihre Familien in Erstaufnahmeeinrichtungen nachhaltig zu verbessern. Mehr Informationen zum Projekt erhalten Sie hier:

Zum Projekt "Gemeinsam für mehr Teilhabe"

Im Rahmen des vorgenannten Modellprojekts „Gemeinsam für mehr Teilhabe" wurde das Bilder- und Vorlesebuch „Schön, dass du da bist! Ein Kennenlernbuch über die Kinder- und Jugendhilfe für geflüchtete Kinder und Eltern“ veröffentlicht.

Zum Kennenlernbuch "Schön, dass du da bist." (Save the Children, Plan International, 2022)
 


Informationen zur psychosozialen Unterstützung geflüchteter Kinder und Familien

Save the Children Deutschland bietet Trainings zur psychosozialen Unterstützung geflüchteter Kinder und Familien an, die sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche richten. Im Rahmen des Projektes „Trainings zur psychosozialen Unterstützung geflüchteter Kinder und Familien“ wurde eine „Methodenschatzkiste“ entwickelt. Das Heft enthält kreative Übungen für die Arbeit mit Kindern. 

Zum Projekt "Trainings zur psychosozialen Unterstützung geflüchteter Kinder und Familien"

Flyer zu den Trainings "Zwischen Flucht und Ankommen"

Zur "Methodenschatzkiste für die Arbeit mit Kindern"
 

Im Zuge des beendeten Projektes von Save the Children "Kinderschutz und Psychologische Erste Hilfe" wurden Praxismaterialien wie das "Trainingshandbuch zur Psychologischen Ersten Hilfe für Kinder" erarbeitet. Weitere Materialien sind auf der Projektwebseite verfügbar.

Zur Projektwebseite "Kinderschutz und Psychologische Erste Hilfe"
 


Informationen zum traumasensiblen Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.), der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – b-umF und die Augeo Foundation bieten kostenlos eine Online-Schulung zum Thema "Traumasensible Unterstützung für geflüchtete Kinder und Jugendliche" an.

Zur Online-Schulung "Traumasensible Unterstützung für geflüchtete Kinder und Jugendliche“

Darüber hinaus veröffentlichte die BAfF 2020 eine Recherche über die Psychosozialen Folgen des Lebens in Sammelunterkünften für Kinder. Hier gelangen Sie zur Publikation:

Zur Publikation "Living in a Box. Psychosoziale Folgen des Lebens in Sammelunterkünften für Kinder." (BAfF e.V., 2020)

Alle Standorte der Psychosozialen Zentren mit Kontaktdaten finden Sie auf der Webseite der BAfF:

PSZ für geflüchtete Menschen
 


Informationen zum Projekt "BROTHERS"

Die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK) unterstützt das Projekt „BROTHERS – Gewaltprävention bei (geflüchteten) Jugendlichen, supported by HEROES“. In dem Projekt bilden Teamleiter Jugendliche – vorrangig mit Fluchthintergrund – im Alter von 14 bis 25 Jahren zu „BROTHERS“ aus. Diese geben ihr Wissen zu Selbstreflexion, Ehre, Wahrnehmung von Grenzen und Gewalt sowie Entwicklung von Handlungsalternativen und Rhetorik dann peer-to-peer in Workshops an Schulen und Jugendgruppen auch an die sonst schwer erreichbare Zielgruppe innerhalb der Flüchtlingscommunity weiter. Nun wurden ein Evaluationsbericht und ein Praxisleitfaden mit übertragbarem Trainingskonzept veröffentlicht.

Zum Projekt "BROTHERS"

Zur "BROTHERS Projektevaluation"

Zum "BROTHERS Praxisleitfaden und übertragbaren Trainingskonzept"


Eine Veranstaltung vom:
In Kooperation mit:
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