Praxisbeispiele Beteiligungsformate
Zur Entwicklung und Umsetzung von Beteiligungsformaten in Unterkünften für Geflüchtete sowie im sozialen Nahraum
Die Mindeststandards (4. Aufl., 2021) der Bundesinitiative “Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften” zielen auf eine flächendeckende Verbreitung von Schutzmaßnahmen für geflüchtete Menschen in der Unterbringung ab. Um den Schutz von geflüchteten Menschen als integralen Bestandteil der vielseitigen Aufgaben von Unterkünften in Deutschland einzuführen und zu festigen wurden die Mindeststandards sowie weiterführende Annexe in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und ergänzt. Die sechs Mindeststandards dienen bundesweit als Leitlinien zur Erstellung, Umsetzung und dem Monitoring von unterkunftsspezifischen Schutzkonzepten von Unterkünften für geflüchtete Menschen.
In den Mindeststandards drei (MS 3: Interne Strukturen und externe Kooperationen) und vier (MS 4: Prävention und Umgang mit Gewalt- und Gefährdungssituationen / Risikomanagement) wird insbesondere auf das Thema Teilhabe und Schutz eingegangen.
Die Mitglieder der Bundesinitiative haben sich dahingehend 2025 in der Arbeitsgemeinschaft Schutz und Teilhabe zusammengeschlossen, um diese Thematik weiter aufzugreifen und zu vertiefen.
Die 2016 entwickelten Mindeststandards der Bundesinitiative “Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften” (4. Aufl.2021) .
Sie kennen weitere Praxisbeispiele zu Beteiligungsformaten und möchten diese gern mit uns teilen?
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Folgende Fragestellungen wurden dabei u.a. behandelt:
- Was bedeutet Beteiligung oder Teilhabe?
- Wie kann Beteiligung gelingen?
- Welche Faktoren fördern die Umsetzung von Beteiligungsprojekten in Unterkünften und dem sozialen Nahraum von Menschen, die in Unterkünften für Geflüchtete leben?
- Welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung von Beteiligungsprojekten?
- Welche Strukturen und Formate der Beteiligung gibt es bereits und wie kann man diese nachhaltig gestalten?
Durch Befragungen von Fachkräften und Recherche der AG Teilnehmenden ist eine Sammlung an Praxisbeispielen zu diversen Beteiligungsformaten entstanden. Diese finden Sie auf der Seite als Arbeitsgrundlage, zur Inspiration und zum Austausch.
1. Begegnungen / sozialer Nahraum
Begegnung findet sowohl innerhalb der Unterkunft als auch im sozialen Nahraum statt. Gemeinschaftlich genutzte, alters- und geschlechtersensible Räume schaffen innerhalb der Unterkunft Orte des Austauschs und der Erholung – etwa als zielgruppenspezifische Treffpunkte für Frauen, Jugendliche oder Familien. Nach außen baut eine proaktive Nachbarschafts- und Öffentlichkeitsarbeit Vorurteile ab, schafft Vertrauen und eröffnet geflüchteten Menschen Zugänge zu gesellschaftlichen Netzwerken und Teilhabemöglichkeiten. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen, wie Begegnung in beiden Bereichen aktiv gestaltet werden kann.
Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge – Bürgerstiftung Algermissen / Ummeln (10587 Algermissen)
Ziel: Fahrräder und Reparaturen
BENN - Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften – meinBerlin (13125 Berlin)
Ziel: Förderung des Zusammenlebens von geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften und Anwohnenden durch aktive Mitgestaltung des Stadtteils
Projekt - Gemeinschaftsgarten am AWO Refugium Buch (Umweltbüro für Berlin-Brandenburg e.V) (13125 Berlin-Buch)
Ziel: Für Bewohnende, Nachbarschaften und alle interessierten Gärtnerinnen und Gärtner
Wir im Quartier - gemeinsam mit Geflüchteten, (Kirchengemeinde & Quartiersprojekt Winterhude Uhlenhorst) (22085 Hamburg)
Ziel: Stärkung des Gemeinwesens durch Austausch- und Begegnungsräume im Quartier
Empowerment #WIRKLICHMACHEN, (Diakonie Schleswig-Holstein) (24768 Redensburg)
Ziel: Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Drittstaatangehörigen
Fahrradwerkstatt, (Netzwerk für Flüchtlinge Rödermark e.V.) (63322 Rödermark)
Ziel: Mobilitätsangebot für geflüchtete, inkl. Reparaturen
Lebendige Nachbarschaft – Freundeskreis Flüchtlinge Süd (70178 Stuttgart)
Ziel: Vernetzung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Engagement durch das Zusammenbringen von Vereinen, Gewerbetreibenden sowie sozialen und kulturellen Institutionen
Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH (86153 Augsburg)
Ziel: Projekte für mehr Teilhabe benachteiligter Personen in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Kultur
Urban Gardening mit geflüchteten Menschen: Nachhaltigkeit Stadt Augsburg (86161 Augsburg)
Ziel: Asyl, Klima, Nachhaltigkeit - verbinden zentraler Themen
Chancen-Patenschaftsprogramm, (Chancenwerk / Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland - gemeinsam gut) (07743 Jena)
Ziel: Praktische Hilfestellungen und schöne Begegnungsmomente
Start with a friend, (Start with a friend e.V.) (10551 Berlin / bundesweit)
Ziel: SwaF bringt Menschen zusammen, 1:1 und mit lokalen Communities
1 zu1 für Flüchtlingskinder, (Wir gestalten e.V.) (13353 Berlin)
Ziel: Patenschaften für Geflüchtete; Vertrauenspersonen erleichtern das Ankommen in Berlin
Patenschaften, (Projekt Ankommen e.V.) (44139 Dortmund)
Ziel: Unterstützung und Kontakte zu Einheimischen
BiP - Begegnungen in Patenschaften, (Landeshauptstadt München) (81669 München)
Ziel: Voneinander Lernen, unterstützen oder auch thematisch beschränkte Patenschaften
Mentoring Projekt Welcome, (Refugio München) (81669 München)
Ziel: Begegnungen auf Augenhöhe
Willkommen im Sport (Integration durch Sport Projekt) (60528 Frankfurt am Main)
Ziel: Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit Fluchtgeschichte in Deutschland
Integration durch Sport – Sport integriert Hessen - Angebote & Projekte | Sportkreis Fulda-Hünfeld e.V. (36037 Fulda / Hessen weit)
Ziel: Sport für Flüchtlinge
Sprachtraining im Refugio | Berliner Stadtmission, e.V. Kirche (12047 Berlin)
Ziel: Sprachpartnerschaft
Sprachcafés - Kreisverband Berlin-Nordost e.V. (12681 Berlin)
Ziel: Sprachkenntnisse üben und verbessern für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund
Sprachcafé Hannover, (Freiwilligen Zentrum Hannover) (30159 Hannover)
Ziel: Reden miteinander, statt übereinander!
Augsburger Begegnungszentrum am Kö | DE UA Dialog e.V. (86150 Augsburg)
Ziel: Bürgerschaftliches Engagement von und für geflüchtete Menschen aus der Ukraine
Teilhabe durch Engagement: Das Engagement von und mit Flüchtlingen stärken, (Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V.) (10785 Berlin)
Ziel: Begegnungen schaffen und Beteiligung ermöglichen
Angekommen - und dann? Politische Partizipation von Geflüchteten | Heinrich Böll Stiftung NRW e.V. (40210 Düsseldorf)
Ziel: Politische Partizipation von Geflüchteten und was politische Bildung leisten kann
2. Beteiligung in Unterkünften
In Unterkünften für geflüchtete Menschen sind partizipative Strukturen essenziell, um sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und Gewalt vorzubeugen. Durch die aktive Einbindung der Bewohner*innen in Entscheidungsprozesse lassen sich Konflikte früh erkennen, Machtungleichgewichte abbauen und der Schutz der Menschen stärken.
Die Lebensbedingungen in Gemeinschaftsunterkünften sind oft geprägt von geringer Privatsphäre, Fremdbestimmung und fehlenden Mitgestaltungsmöglichkeiten. Hausordnungen und Vorgaben werden meist von Kommunen oder Betreibern festgelegt – häufig ohne direkte Beteiligung der Betroffenen. Doch gerade Mitbestimmung ist entscheidend, damit Unterkünfte als vorübergehendes Zuhause erlebt werden können, besonders bei unklarer Aufenthaltsdauer.
Die Mindeststandards betonen, dass Bewohner*innen als Expert*innen ihres Lebensumfelds in die Entwicklung von Gewaltschutzkonzepten und Risikoanalysen einzubeziehen sind. Partizipation ist eine Notwendigkeit – sie verbessert die Lebensqualität, stärkt das Wohlbefinden und fördert den sozialen Zusammenhalt. Durch echte Mitgestaltung können Unterkünfte zu Orten werden, an denen Menschen Würde, Sicherheit und Eigenverantwortung erleben.
Einführung von Bewohner:innenräten
Praxisleitfaden für die Einführung von Bewohner:innenräten in Unterkünften für geflüchtete Menschen
Download: Praxisleitfaden zur Einführung von Bewohner:innenräten
EMPOWERMENT
Ziel: Mitwirken, mitbestimmen und Eigenverantwortung stärken. Ein Projekt VON geflüchteten Menschen FÜR geflüchtete Menschen in Stuttgart.
Download: Broschüre Empowerment
Schutz geflüchteter Familien in Hamburg (Hamburg)
Ziel: Aufbau von Beteiligungsstrukturen in Unterkünften und aktive Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure aus dem sozialräumlichen Umfeld zur Stärkung der Partizipation und Teilhabe geflüchtete Menschen.
MITWIRKEN - Mitbestimmung und Eigenverantwortung der Geflüchteten (53175 Bonn)
Ziel: Förderung demokratischer Mitbestimmung in Sammelunterkünften
Sprachtraining im Refugio Berlin (12047 Berlin)
Ziel: Miteinander leben, Sprache erlernen.
Sprachcafé für Geflüchtete (12247 Berlin)
Ziel: Austausch und Begegnung in entspannter Atmosphäre zum Deutsch lernen.
Sprachcafé Kreisverband Berlin (12681 Berlin)
Ziel: Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund üben und verbessern ihre Sprachkenntnisse in Deutsch.
Jetzt sind wir mal dran! (13437 Berlin)
Ziel: Ein intersektionales Kulturprojekt für Frauen und Mädchen bzw. FLINTA* ab 12 Jahren mit dem Ziel Räume für Empowerment zu schaffen.
Sprachcafé Hannover (30159 Hannover)
Ziel: Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis. Einheimische und Neuzugewanderte kommen in entspannter Atmosphäre zusammen.
Sprachcafé im Begegnungsraum GU Ludwigsburg (71638 Ludwigsburg)
Ziel: Miteinander lernen, Austausch und Begegnung.
Begegnungen / Campus Asyl e.V. (93053 Regensburg)
Ziel: Zwischenmenschliches Verständnis schaffen, gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, neue Perspektiven eröffnen.
Gemeinschaftsgarten am AWO Refugium (13125 Berlin)
Ziel: Einander kennenlernen und miteinander gärtnern. Ein Projekt für Bewohnende sowie Nachbarn des AWO Refugiums.
Fahrrad & Verkehr (84130 Dingolfing)
Ziel: Fahrradreparaturen und Verkehrssicherheit von / mit geflüchteten Menschen.
Urban Gardening (86161 Augsburg)
Ziel: Teilhabe geflüchteter Menschen und ökologische Bildung miteinander verbinden.
Fahrradwerkstatt GU Dietenbronn (88477 Dietenbronn)
Ziel: Gemeinsame Reparatur von Fahrrädern sowie Mobilitätsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen aus der Gemeinschaftsunterkunft.
3. Erarbeitung von Gewaltschutzkonzepten
Wirksamer Gewaltschutz ist mehr als ein Schutzkonzept auf dem Papier. Er zeigt sich in einer gelebten Haltung, klaren Verantwortlichkeiten, verbindlichen Abläufen und einer Organisationskultur, die Gewalt vorbeugt und Betroffene schützt. Gerade in Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen ist es entscheidend, Schutzkonzepte an den unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Schutzbedarfen auszurichten. Die Erfahrungen und Perspektiven der Bewohner*innen sind dafür unverzichtbar.
In diesem Bereich finden Sie Anregungen zur Entwicklung und Umsetzung von Gewaltschutzkonzepten. Die Beispiele zeigen, wie Einrichtungen Gewaltschutz in ihre Strukturen und Arbeitsabläufe integrieren und Prävention, Intervention sowie nachhaltige Weiterentwicklung in ihrer Praxis gestalten.
Entwicklung eines Gewaltschutzkonzeptes (Baden-Württemberg)
Ziel: Strategische Ausrichtung zur Beteiligung von geflüchteten Menschen
Einführung des Gewaltschutzkonzept in der Landkreisweiten vorläufigen Unterbringung (Baden-Württemberg)
Ziel: Erarbeitung und Umsetzung eines umfassenden Gewaltschutzkonzeptes mit Monitoring in der gesamten GU
4. Zielgruppenspezifische Beteiligungsformate
Partizipation kann nur dann wirksam umgesetzt werden, wenn die unterschiedlichen Lebenslagen, Erfahrungen und Bedarfe von Menschen berücksichtigt werden. Zu den Bewohner:innen von Unterkünften zählen unter anderem Kinder und Jugendliche, Frauen, Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, LSBTIQ+ Personen sowie Menschen mit besonderen Schutzbedarfen oder Traumafolgestörungen und Gewalterfahrungen. Diese Vielfalt macht es erforderlich, Beteiligungsformate so zu gestalten, dass unterschiedliche Perspektiven und Bedarfe berücksichtigt werden.
Zielgruppenspezifische Beteiligungsformate schaffen passende Räume, Methoden und Zugänge, damit Menschen ihre Anliegen, Interessen und Erfahrungen einbringen können. Sie stärken Selbstwirksamkeit, fördern gleichberechtigte Mitwirkung und liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Angeboten, Strukturen und Schutzmaßnahmen. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen unterschiedliche Ansätze zur Gestaltung solcher Beteiligungsformate. Sie dienen als Anregung und Orientierung für die Entwicklung eigener Beteiligungsformate.
Our Rights in Action (Berlin)
Ziel: Empowerment junger Geflüchteter. Geflüchtete Kinder und Jugendliche setzen sich mit Kinderrechten und Kinderschutz auseinander.
1 zu1 für Flüchtlingskinder, (Wir gestalten e.V.) (13353 Berlin)
Ziel: Patenschaften für Geflüchtete; Vertrauenspersonen erleichtern das Ankommen in Berlin
Integration von queeren Geflüchteten stärken (bundesweit)
Ziel: Unterstützung und Stärkung von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen von Organisationen, Projekten sowie Selbstorganisationen, die von Menschen mit eigener Fluchterfahrung / Migrationsgeschichte geleitet werden sowie Organisationen in der Arbeit mit queeren Geflüchteten.
Strangers are Friends (66121 Saarbrücken)
Ziel: Gruppentreffen, Beratung und Einzelfallbetreuung für LSBTIQ+ Geflüchtete im Saarland
Jetzt sind wir mal dran! (13437 Berlin)
Ziel: Ein intersektionales Kulturprojekt für Frauen und Mädchen bzw. FLINTA* ab 12 Jahren mit dem Ziel Räume für Empowerment zu schaffen.